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Fabienne Kohlmann läuft EM-Norm jetzt auch über 400 Meter Hürden PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christian Dürr   
Montag, den 12. Juli 2010 um 11:30 Uhr

„Ich bin gerannt was das Zeug hält“, brachte Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt-Gambach-Lohr) ihr Rennen in Biberach bei hochsommerlichen Bedingungen auf den Punkt.
Es war das bislang beste 400 Meter-Hürdenrennen ihrer Karriere. Mit 55,75 Sekunden unterbot sie die EM-Norm (56,00) und ließ danach auch gar keinen Zweifel, auf welcher Strecke sie bei den Europameisterschaften in Barcelona Ende des Monats antreten wird. „Ich werde die Hürden laufen und in der 4x400 Meter-Staffel antreten“, stellte die 20-Jährige klar.

Sie trat damit allen Spekulationen entgegen, dass sie einen EM-Start über die 800 Meter planen würde. Anlass für dies Überlegungen belegen den Leistungssprung, den die Läuferin von der LG Karlstadt in dieser Saison vollzogen hat. Bereits im Mai hatte die ehemalige Junioren-Europameisterin über 400-m-Hürden auf den krummen Strecken in Pliezhausen über 600 Meter mit 1:26,30 eine sensationelle Zeit abgeliefert, die Kohlmanns Fähigkeiten als Mittelstrecklerin aufzeigten. Diese wurden dann in Dessau mehr als bestätigt. Mit 2:00,72 Minuten unterbot die 1,70 große Läuferin nicht nur die EM-Norm, sie ließ dabei auf der Zielgeraden auch Olympiasiegerin Pamela Jelimo regelrecht stehen. „Dieser Sieg hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben“, denkt sie gerne an dieses Rennen zurück.
„Ich wusste, dass ich es drauf habe“, kommentierte die unbekümmerte Läuferin ihren Leistungssprung um viereinhalb Sekunden damals. Bei der Team-EM in Norwegen musste Kohlmann als Achte in 58,01 Sekunden Federn lassen. Doch schon letzte Woche in Madrid war sie wieder im Aufwärtstrend, als sie während eines Regengusses in 56,0 (die elektronische Zeitmessung war ausgefallen) siegte.
Warum aber liebäugelt sie neben den Hürden überhaupt mit den Rennen auf den Flachstrecken? „Weil mir das Laufen einfach Spaß macht“, sagt sie. Ihren bislang größten Erfolg erreichte sie im Vorjahr bei der WM in Berlin, als sie mit der 4x400 Meter-Staffel auf Platz landete.
Überhaupt änderte sich im Jahr 2009 sehr viel im noch jungen Leben der Fabienne Kohlmann nicht nur was die sportliche Leistung angeht. Nach dem Abitur begann sie ein Psychologie-Studium in Jena und wohnt in Erfurt im Haus der Athleten beim Olympiastützpunkt. „Ich habe dort ideale Voraussetzungen“, nennt sie denn auch einen wesentlichen Grund ihrer Leistungsentwicklung an die Spitze der deutschen Hürdenläuferinnen. Dieser Wechsel habe ihr sehr gut getan, erzählt Kohlmann nach ihrem famosen Biberacher Rennen.
„Ich bin heute verhältnismäßig mutig angegangen“, erläutert sie ihre Renntaktik. Normalerweise hat sie hinten raus ihre große Stärke, so wie in Pliezhausen, Dessau und nun auch in Oberschwaben. Mit der EM-Norm in der Tasche kann sie beruhigt die EM-Vorbereitungen angehen, um dann vielleicht sogar einen Finalplatz in Barcelona ins Visier zu nehmen. „Es wäre schön, wenn ich die erste Runde überstehen würde“, gibt sich die neue Laufhoffnung des DLV aber recht bescheiden. Und das, obwohl sie im DLV-Team eine besondere Stellung einnimmt. Denn welche Athletin verfügt schon über den Luxus, gleich in zwei Disziplinen die EM-Norm abgehakt zu haben? Fabienne Kohlmann steht auf der „Strecke ihrer Wahl“ derzeit auf Platz elf in Europa. Wenn sie auch da wieder rennt was das Zeug hält, darf man ihr mit der gewohnt starken zweiten Rennhälfte auch in Spanien eine Überraschung zutrauen.
Quelle: www.mainpost.de

 

Die 400m-Hürden-Odysee für Fabienne Kohlmann ist beendet

"Endlich habe ich es geschafft!" Die Erleichterung ist Fabienne Kohlmann auch noch Tage nach dem Rennen in Biberach anzumerken! Seit Freitag kann die Gambacherin die Europameisterschaften in Barcelona so planen, wie sie es sich in ihren Träumen ausgemalt hat.
Schon früh in der Saison hatte Kohlmann die Norm geschafft, aber eben "nur" über 800m. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass die 20-Jährige die 400m Hürden den zwei Stadionrunden vorzieht und so begann eine Odysee über fünf Rennen in drei Ländern ...
Es sah eigentlich alles ganz gut aus, beim ersten Auftritt über ihre Lieblingsstrecke schrammte Kohlmann gerade einmal um eine Hundertstel an der Norm vorbei, die bei 56,00 Sekunden liegt und so sollte es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis sie diese abhaken würde, doch es kam anders. In Baunatal ließ sie zwar der nationalen Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance, war selbst aber chancenlos gegen den Wind, der so kräftig bließ, dass schnelle Zeiten utopisch waren. In Bergen beim Europacup ähnlich schlechte Bedingungen und obendrein ein in diesem Jahr ungewohntes Bild: Eine schlechte Fabienne Kohlmann. Zwei Sekunden blieb sie über der Norm, doch aufgeben wollte sie nicht. Und so reiste sie nach Madrid, voller Tatendrang und top-motiviert. Selbst von einem Gewitter, das über dem Estadio municipal tobte, ließ sie sich nicht aufhalten. Mit der siebtbesten Zeit an den Start gegangen, sicherte sie sich in sensationeller Art und Weise den Sieg, doch die Zeitmessung war an diesem Abend nicht so stark wie die Psychologie-Studentin. Sie hatte den Kampf gegen das Gewitter verloren, fiel aus und so gab es nur handgestoppte Zeiten, die aber nicht gewertet werden für Nominierungen. So standen zwar 56,0 sek zu Buche, aber Kohlmann stand mit leeren Händen da.
Was tun? Auf einen finalen Angriff bei der letzten Qualifikationsmöglichkeit, den deutschen Meisterschaften in Braunschweig, warten? "Die Norm war schon lange fällig und in Pliezhausen und in Madrid war ich schon so nah dran!", und so machte sich Kohlmann auf den Weg nach Biberach, zum fünften 400m-Hürden-Rennen in diesem Jahr. "Die Bedingungen in Biberach waren klasse, das Publikum hat wieder toll angefeuert, und ich war gut drauf." erinnert sich die WM-Teilnehmerin des Vorjahres. "Für meine Verhältnisse bin ich diesmal sogar richtig mutig angelaufen, auch wenn ich auf der ersten Hälfte natürlich wieder eingeholt wurde. Aber am Ende konnte ich trotzdem wie immer nochmal Gas geben und es hat gereicht, als ich die Zeit gesehen habe, hab ich mich tierisch gefreut!" 55,75 Sekunden, eine Viertelsekunde unter der Norm, neue Bestzeit und ein deutlicher Sieg - Kohlmann war am Ziel ihrer Träume - für's Erste.
Denn jetzt will sie mehr, will sich am Wochenende erst einmal den deutschen Meistertitel über ihre Lieblingsstrecke holen und dann auch in Barcelona für Furore sorgen: "Für die EM nehme ich mir vor, meine Zeit von Biberach nochmal zu verbessern und damit so weit zu kommen, wie es nur geht," und Kohlmann hat ja auch noch ein zweites Eisen im Feuer, sie gehört wie schon bei der WM zum deutschen 4x400m-Quartett: "Auf die Staffel freue ich mich auch schon, letztes Jahr in Berlin hatten wir eine Menge Spass, das wird dieses Jahr sicher auch so und vielleicht schaffen wir es ja aufs Treppchen... wer weiß?" Seit Biberach spätestens weiß eigentlich jeder, dass Fabienne Kohlmann in diesem Jahr viel zuzutrauen ist - und dass sie sie durch nichts aus der Ruhe bringen lässt!

Ein Beitrag von Jonas Wahler

 

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 15. Juli 2010 um 14:00 Uhr
 

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